Schweizgeschäft

Der Aussenhandel kann für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eine einzigartige Gelegenheit zum Wachstum sein. Der Schweizer Markt eröffnet für viele Branchen hervorragende Chancen. Die Schweiz hat eine lange Tradition als Marktplatz für Geschäfte aller Art. Auf dem Markt sind Unternehmen aus aller Welt vertreten und nahezu alle namhaften Weltkonzerne. Die Schweizer Wirtschaft wird jedoch nach wie vor sehr stark von KMU dominiert, von denen viele keinen Zugang zu Auslandsmärkten haben. Vor dem Hintergrund haben Sie die Chance auf Geschäftspartner, die Sie an Ihrem Stammsitz nicht erreichen.

Die Kenntnis des Marktes, den sich ein KMU erschliessen möchte, ist für den Erfolg einer Expansion eine unerlässliche Voraussetzung. Das Wissen über das Umfeld umfasst zwei Bereiche:

  • Technische Aspekte. Informationen über die Gesetzgebung des Landes, die wirtschaftlichen Regelungen, die Bestimmungen zur sozialen Sicherung usw.
  • Kulturelle Aspekte. Dieser Punkt wird zuweilen unterschätzt, sollte aber nicht vernachlässigt werden. Wenn die kulturellen Unterschiede zwischen den Ländern nicht beachtet werden, können sie einem reibungslosen Ablauf der Geschäfte entgegenwirken. Gewohnheiten, Umgangsformen und andere kulturelle Faktoren müssen für ein optimales Gelingen also entsprechend angepasst werden.

Auf beiden Feldern werden die Differenzen zwischen Deutschland und der Schweiz trotz der geografischen und kulturellen Nähe sehr oft unterschätzt. Wir unterstützen Sie bei der Bewältigung der technischen Aspekte sowie beim Erkennen der kulturellen Divergenzen mit unserer Expertise. Nachstehend geben wir ihnen einen Überblick über einen Markt voller Chancen.

Aussersteuerliche Rahmenbedingungen

Die Schweiz ist ein Markt in der Mitte Europas mit Konsumenten mit einem weit überdurchschnittlichen wirtschaftlichen Potential.

Die Schweiz ist für ihre politische Stabilität wohlbekannt. Die Politik ist verlässlich und konsensorientiert. Damit bietet sie einen langen Planungshorizont für unternehmerische Investitionsentscheidungen. Aufgrund der politischen Neutralität der Schweiz sind dortigen Unternehmers Geschäfte mit Ländern eröffnet, die in der Europäischen Union einem Embargo unterliegen.

 

Zum Planungshorizont gehört auch die Stabilität der Währung, die in den vergangenen Jahren viel durch die Stärke von sich Reden gemacht hat, besonders durch die als Frankenschock bezeichnete, schlagartige Aufwertung im Januar 2015. Dies war Folge dessen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) die in 2012 begonnene Bindung an den Wechselkurs zum Euro freigab. Doch interveniert die SNB auch weiterhin stark, um einer weiteren Aufwertung des Franken entgegen zu wirken.

30.06.2013 30.06.2014 30.06.2015 30.06.2016
EUR in CHF 1.22841 1.21544 1.03632 1.08635

Die Stärke des Franken ist eine grosse Last für Schweizer Exportunternehmen. Die Schweizer Wirtschaft ist sehr exportorientiert und die Ausfuhhren übersteigen wertmässig die Einfuhren deutlich:

Aussenhandel, 2015 in Mio CHF
Einfuhr 166’392
Ausfuhr 202’919
Handelsbilanzsaldo 36’527

 

Eine Folge der Aufwertung ist aber auch die Zunahme an Kaufkraft der Schweizer. Eine höhere Kaufkraft in Europa haben nur die Bewohner von Liechtenstein. Die Kaufkraft der Schweizer ist etwa 1.7 Mal so hoch wie die der Deutschen.

Top 10 nach Kaufkraft je Einwohner

Rang Land Kaufkraft 2014
pro Kopf in Euro
Europa-
index*
1 Liechtenstein 54’840 418.3
2 Schweiz 37’153 283.4
3 Norwegen 30’560 233.1
4 Luxemburg 28’851 220.0
5 Dänemark 22’044 168.1
6 Österreich 21’891 167.0
7 Deutschland 21’579 164.6
8 Schweden 21’320 162.6
9 Frankreich 19’643 149.8
10 Finnland 19’379 147.8
Europa 13112 100

Quelle: © GfK Kaufkraft Europa 2014 / 2015
* Index je EW.; Europadurchschnitt = 100

Die Schweiz hat ein effektiv funktionierendes Rechtssystem. Unternehmen können ausstehende Forderungen ohne grosse Schwierigkeiten durchsetzen. Die Schweiz ist ein beliebter Standort für Schiedsgerichte in wirtschaftlichen Streitigkeiten. Dies beruht auf der grossen kaufmännischen Tradion und daraus resultierender Expertise in wirtschaftlichen Angelegenheiten sowie der Internationalität, die nicht zuletzt dadurch bedingt ist, dass die Schweiz Sitz vieler Bedeutender internationaler Institutionen (zB den Vereinten Nationen – UN -, Welthandelsorganisation – WTO -, Internationales Olympisches Kommitée – IOC -) ist.

Als renommierter Bankenplatz bietet die Schweiz gute Rahmenbedingungen für Unternehmensfinanzierungen. Es gibt keine Kapitalverkehrsbeschränkungen, die den Zahlungsverkehr hindern. Die Einbindung der Schweiz in das SEPA-Verfahren macht den Zahlungsverkehr Deutschland und mit anderen europäischen Ländern so einfach wie beim Inlandskonto.

2013 wurden in der Schweiz rund 563’000 marktwirtschaftliche Unternehmen gezählt. Mehr als 430’000 davon sind im Dienstleistungssektor tätig. Der Industriesektor zählt über 90‘000 Unternehmen und im Primärsektor sind rund 56’000 Unternehmen aktiv (Quelle Schweizerisches Bundesamt für Statistik, 2016).

Über 99% aller Unternehmen in der Schweiz sind KMU: kleine und mittlere Unternehmen, d. h. solche mit weniger als 250 Beschäftigten (in Vollzeitäquivalenten gerechnet); mehr als 92% dieser Unternehmen sind Mikrounternehmen, also solche mit weniger als 10 Beschäftigten. Die Verteilung der Unternehmen auf die Unternehmensgrössenklassen hat sich zwischen 2005 und 2013 nur geringfügig verändert. Die mittlere Unternehmensgrösse ist von 2005 bis 2013 mit etwa 8 Beschäftigten nahezu gleich geblieben (Quelle Schweizerisches Bundesamt für Statistik, 2016).

Nicht zuletzt ist die Zahlungsmoral in der Schweiz besser. Zwar bezahlen auch in der Schweiz 44 % der Unternehmen die Rechnungen nicht binnen der gesetzten Frist. So beträgt die durchschnittliche Frist der zu spät bezahlten Rechnungen in der Chemie- und Pharmabranche 8.9 Tage. Bei Holdinggesellschaften ist sie mit 7.6 Tagen sogar noch kleiner. Bei Baufirmen betrug der Durchschnittsverzug fast 13 Tage, im Gastgewerbe fast 14 Tage. Selbst bei einem gesetzten Zahlungsziel von 30 Tagen bleibt damit das Maximum von 44 Tagen noch deutlich hinter dem deutschen Mittelwert zurück: Deutsche Unternehmen warten im Schnitt 53 Tage auf ausstehende Zahlungen ihrer Kunden. (Quellen: Dun & Bradstreet; Euler Hermes)

Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht

Die Schweiz bietet ihnen qualifizierte Fachkräfte. Die Schweiz rangiert bei der Arbeitsproduktivität unter allen Volkswirtschaften der Welt in der Spitzengruppe. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Arbeit ist die Produktivität. Diese wird in internationalen Vergleichen als Bruttoinlandprodukt pro geleisteter Arbeitsstunde gemessen. Mit einem Bruttoinlandprodukt pro geleisteter Arbeitsstunde von USD 87,59 liegt die Schweiz deutlich vor Deutschland mit USD 56,90 (Quelle: The Conference Board 2016).

Der Schweizer Arbeitsmarkt ist geprägt durch ein liberales Arbeitsrecht, geringe Regulierungsdichte und ausserordentliche soziale Stabilität. Arbeitskonflikte werden zwischen den Sozialpartnern gelöst. Es gibt so gut wie keine Streiks. Die soziale Sicherung der Arbeitenden beruht auf dem Grundsatz der Solidarität und der Selbstverantwortung. Das hohe Lohnniveau in der Schweiz zieht qualifizierte Arbeitskräfte und vor allem High Potentials aus dem Ausland an. Die Arbeitgeber profitieren aufgrund tiefer Sozialabgaben von konkurrenzfähigen Lohnstückkosten.

Lohnkosten

Das Lohnniveau in der Schweiz ist relativ hoch. Es widerspiegelt das hohe Leistungs- und Wohlstandsniveau: Hohe Löhne sind ein Erfolgsausweis und machen das Land für qualifizierte Arbeitskräfte attraktiv. Der Durchschnittslohn in der Schweiz beträgt brutto gut CHF 7‘000 pro Monat.

Bruttoerwerbseinkommen (Zentralwert) pro Jahr nach Berufsgruppen, 2015

(Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Schweizerische Arbeitskräfteerhebung)

VOLLZEIT (90 % UND MEHR) CHF
Arbeitnehmende
Führungskräfte 120’000
Akademische Berufe  104’000
Techniker und gleichrangige Berufe  87’000
Bürokräfte, kaufmännische Angestellte 75’400
Dienstleistungs- und Verkaufsberufe  61’400
Fachkräfte in der Landwirtschaft  63’800
Handwerks- und verwandte Berufe  70’500
Anlagen- und Maschinenbediener  70’500
Hilfsarbeitskräfte  58’200
Keine Angabe/Weiss nicht  89’600
Total 81’900

 

Dies wird jedoch durch moderate Lohnnebenkosten relativiert. Für einen Arbeitgeber sind nicht die ausbezahlten Löhne entscheidend, sondern die Lohnstückkosten. Zwar sind in der Schweiz die ausgewiesenen Löhne hoch. Die Personalzusatzkosten, mit denen der Arbeitgeber zusätzlich zum Bruttolohn rechnen muss (Arbeitgeberbeiträge für Sozialversicherungen), belaufen sich in der Schweiz aber nur auf rund 15 %. Zusammen mit der hohen Arbeitsproduktivität, den moderaten Steuern und den tiefen Kapitalkosten zahlt der Arbeitgeber somit am Ende teilweise weniger als in anderen europäischen Ländern.

Arbeitskosten je geleistete Arbeitnehmerstunde im Verarbeitenden Gewerbe

in EUR Arbeitskosten Bruttolöhne Direktentgelt Personal-zusatzkosten Sozial-aufwendungen
Schweiz 37.14 30.94 23.70 13.44 6.21
Deutschland 34.28 26.30 19.75 14.53 7.98

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, für 2009

Arbeitnehmer Arbeit-geber-beitrag Arbeit-nehmer-beitrag total in CHF in CHF
Bruttolohn in % in % in % 6‘300.00
staatliche Sozialvorsorge AHV/IV/EO 5.125 5.125 10.25 645.75
staatliche Arbeitslosenvorsorge 1.10 1.10 2.20 138.60
Verwaltungskosten 0.30 0.30 18.90
Unfallversicherung NBU*** 2.00 2.00 4.00 252.00
Pensionskasse BVG** 6.50 409.50
Krankentaggeldversicherung* 0.62 39.06
Sozialabzüge -1’094.31
Arbeitnehmerbeiträge 518.18
Arbeitgeberbeiträge 576.30
Nettolohn 5’781.83
Total Personalkosten         7‘076.30

* freiwillig

** Ansatz variiert nach Alter der versicherten Person

*** je nach Branche und Betriebsrisiko

Die moderaten Lohnnebenkosten wirken sich besonders stark aus im Bereich der hochqualifizierten Fachkräfte mit Spitzengehältern, so dass die Gesamtlohnkosten für Spitzenpersonal letztlich die Kosten in Deutschland nicht übersteigen oder gar unterschreiten.

Hochqualifizierte Arbeitskräfte

Schweizer Arbeitskräfte sind hoch qualifiziert, rund 40 % verfügen über eine Ausbildung auf Tertiärstufe. Die Vielsprachigkeit der Schweizer Arbeitnehmer ist weltweit berühmt, und Schweizer Manager haben überdurchschnittlich viel internationale Erfahrung. Eine Bereicherung für das Unternehmen ist regelmässig, dass die Fachkräfte aus einem breiteren kulturellen Spektrum kommen.

Die ausbalancierten Rechte und Pflichten bewahren den sozialen Frieden und sorgen trotzdem für Leistungsbereitschaft. Dennoch eröffnet das Arbeitsrecht in der Schweiz eine deutlich flexiblere Beschäftigung als in Deutschland.

Arbeitsrecht

Der Schweizer Arbeitsmarkt gilt generell als einer der liberalsten der Welt. Das schweizerische Arbeitsrecht beinhaltet die Rechte und Pflichten der Arbeitnehmer sowie der Arbeitgeber. Es umfasst wesentlich weniger Vorschriften als die Rechtsordnungen in den EU-Staaten und ist in mehreren Gesetzen geregelt – von zentraler Bedeutung sind insbesondere das Obligationenrecht (Einzelarbeitsvertrag, Gesamtarbeitsvertrag, Normalarbeitsvertrag), das Arbeitsgesetz (allgemeiner Gesundheitsschutz, Arbeitszeit und Ruhezeit, Jugendliche, schwangere Frauen und stillende Mütter) und das Unfallversicherungsgesetz (Arbeitssicherheit).

Das zwingende Recht des Bundes und der Kantone geht den Bestimmungen des Gesamtarbeitsvertrags vor, jedoch können zugunsten der Arbeitnehmer abweichende Bestimmungen

aufgestellt werden, wenn sich aus dem zwingenden Recht nichts anderes ergibt. Handelt es sich umgekehrt um nicht zwingende gesetzliche Vorschriften, so gehen die Vereinbarungen zwischen

den Parteien vor. Einige arbeitsrechtliche Gesetzesvorschriften können zwar durch den Gesamtarbeitsvertrag, nicht aber durch einen Einzelarbeitsvertrag geändert werden.

Löhne werden entweder individuell, direkt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer oder im Rahmen von Gesamtarbeitsverträgen (GAV) ausgehandelt. Auch hier verzichtet der Gesetzgeber im Sinne der liberalen Wirtschaftsordnung auf eine starke Reglementierung. Er lässt bewusst Raum für direkte Absprachen zwischen den Sozialpartnern.

Mitwirkung und Arbeitnehmervertretung

In der Schweiz gibt es eine Mitwirkung der Arbeitnehmer im Betrieb. Diese regelt das Mitwirkungsgesetz. Die Mitwirkung bleibt jedoch deutlich hinter derjenigen der Betriebsräte nach deutschem Recht zurück. Die Mitwirkung besteht hauptsächlich in der Information und Anhörung der Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber muss die Arbeitnehmer über alle wesentlichen Begebenheiten, Neuerungen und/oder Änderungen informieren, die die folgenden Bereiche betreffen:

–– In allen Belangen der Arbeitssicherheit und des Arbeitnehmerschutzes.

––Beim Übergang von Betrieben.

––Bei Massenentlassungen.

––Beim Anschluss an eine Einrichtung der beruflichen Vorsorge.

Die Arbeitnehmer haben ihrerseits das Recht, sich mit Fragen und/oder Anregungen an den Arbeitgeber zu wenden und Vorschläge vorzubringen. Zudem müssen die Arbeitgeber die Arbeitnehmer mindestens einmal jährlich über die Auswirkungen des Geschäftsganges auf die Beschäftigung und die Beschäftigten informieren.

Arbeitnehmervertretung sieht das Mitwirkungsgesetz erst in grösseren Betrieben vor. In Betrieben mit mindestens 50 Arbeitnehmern besteht das Recht auf Einsetzung einer Arbeitnehmervertretung. Die schweizerischen Arbeitnehmervertretungen haben im Gegensatz zum Betriebsrat in den EU-Staaten keine Möglichkeit besitzt, eine eigene Auffassung durchzusetzen oder eine Entscheidung zu erzwingen. Sie hat lediglich Informations-, Anhörungs- und Mitberatungsrechte.

Arbeitszeit und Ferien

Die betriebliche Normalarbeitszeit gemäss Arbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag (GAV) beträgt in der Schweiz 40 bis 44 Stunden pro Woche. Die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten sind in der Schweiz seit vielen Jahrzehnten unverändert. Die maximale wöchentliche Arbeitszeit beträgt für industrielle Betriebe 45 Stunden (gilt auch für Büropersonal, technische Angestellte und Verkaufspersonal in Grossbetrieben des Detailhandels). In Gewerbebetrieben liegt die Grenze bei 50 Stunden. Diese Unterscheidung zwischen Normalarbeitszeit und Höchstarbeitszeit ist für die Unterscheidung zwischen Überstunden und Überzeit von Bedeutung.

In der Praxis bestehen vielfältige Möglichkeiten, die Arbeitszeit den Bedürfnissen des Betriebes anzupassen. Als Beispiele seien nur erwähnt: gleitende Arbeitszeit, Bandbreitenmodell, Zwei- bzw. Mehrschichtbetrieb oder ununterbrochener Betrieb (7 x 24 Stunden x 365 Tage). Insbesondere beim ununterbrochenen Betrieb können die täglichen und wöchentlichen Höchstarbeitszeiten verlängert und die Ruhezeiten anders verteilt werden.

Überstunden und Überzeit

Bei einer Überschreitung der Normalarbeitszeit bis zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit spricht man von Überstunden. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, Überstunden so weit zu leisten, als er sie zu leisten vermag und sie ihm nach Treu und Glauben zugemutet werden können. Nach Gesetz sind die Überstunden mit einem Zuschlag von 25 % zu entlöhnen. Es ist aber möglich, den Zuschlag schriftlich wegzubedingen. Anstelle einer Auszahlung kann Überstundenarbeit auch durch Freizeit von mindestens gleicher Dauer ausgeglichen werden. Dies setzt jedoch die Zustimmung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer voraus. Bei leitenden Angestellten ist es zudem möglich, die Überstunden generell durch den Normallohn abgelten zu lassen.

Überzeit liegt vor, wenn die wöchentliche Höchstarbeitszeit überschritten wird. Nach dem Arbeitsgesetz darf die Überzeit für den einzelnen Arbeitnehmer zwei Stunden am Tag nicht überschreiten. Sie darf im Kalenderjahr nicht mehr als 170 Stunden (bei wöchentlicher Arbeitszeit von 45 Stunden) bzw. 140 Stunden (bei 50 Stunden) betragen. Überzeitarbeit ist, wenn sie nicht innert bestimmter Frist durch Freizeit ausgeglichen wird, zwingend mit einem Lohnzuschlag von 25 % zu entschädigen.

Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern ist in der Schweiz die Zustimmung einer Arbeitnehmervertretung bei der Leistung von Überstunden oder Überzeit nicht nötig. Es muss innerhalb der genannten Zeitgrenzen auch keine behördliche Bewilligung eingeholt werden.

Kündigung

Ein Arbeitsvertrag ist grundsätzlich jederzeit von beiden Seiten und ohne triftige Gründe kündbar, sowohl schriftlich als auch mündlich. Im schweizerischen Recht ist die Mitbestimmung einer Arbeitnehmervertretung bei einer Kündigung nicht vorgesehen. Einzig im Rahmen von Massenentlassungen gibt es ein Konsultationsrecht der Arbeitnehmervertretung resp. der Arbeitnehmer. Diese müssen die Möglichkeit haben, Vorschläge zu unterbreiten, wie die Kündigungen vermieden oder deren Zahl beschränkt sowie ihre Folgen gemildert werden können. Grundsätzlich kann der Kündigungsempfänger verlangen, dass ihm die Gründe der Kündigung schriftlich bekannt gegeben werden. Eine Untersuchung, ob eine Kündigung sozial ungerechtfertigt ist, d.h., ob sie in der Person des Arbeitnehmers liegt oder ob dringende betriebliche Erfordernisse eine Kündigung notwendig machen, gibt es nicht.

Generell wird die Kündigungsfrist durch den Arbeitsvertrag, durch den Normalarbeitsvertrag der jeweiligen Berufsgattung oder durch den Gesamtarbeitsvertrag definiert. Fehlt ein Vertrag oder eine Regelung, kommen die Bestimmungen des Obligationenrechts zur Anwendung:

  • In der Probezeit (max. drei Monate): sieben Tage.
  • Im ersten Dienstjahr: ein Monat.
  • Vom zweiten bis zum neunten Dienstjahr: zwei Monate.
  • Ab dem zehnten Dienstjahr: drei Monate.

Die Frist kann durch schriftliche Vereinbarung geändert werden, darf jedoch nie kürzer als ein Monat sein (Ausnahme bei einem GAV im ersten Dienstjahr). Für leitende Mitarbeitende werden häufig schon ab Beginn einer Anstellung Kündigungsfristen bis zu sechs Monaten vereinbart. Nach der Probezeit kann die Kündigung nur auf Ende Monat ausgesprochen werden. Bei einer Freistellung endet zwar die Arbeitsleistung sofort, der Lohn ist aber bis ans Ende der Kündigungsfrist geschuldet.

Fristlos gekündigt werden kann ein Arbeitsverhältnis nur in schwerwiegenden Ausnahmefällen, z.B. bei Betrug, Arbeitsverweigerung oder Konkurrenzierung des Arbeitgebers. In der Praxis sind fristlose Kündigungen aber nur sehr schwer durchsetzbar, da der Kündigungsgrund oft Interpretationssache ist.

Arbeitnehmer kann während bestimmter Zeiten, so genannter Sperrfristen, keine Kündigung ausgesprochen werden. Solche Sperrfristen gelten bei Krankheit, Unfall, Schwangerschaft, Militärdienst, Zivilschutz, Zivildienst oder Hilfsaktionen im Ausland. Eine Kündigung, die in diesen Situationen ausgesprochen wird, besitzt keine Gültigkeit (sog. Kündigung zur Unzeit).

Verglichen mit dem Ausland sind in der Schweiz die arbeitsmarktrechtlichen Bestimmungen sehr investorenfreundlich. Unternehmen können relativ einfach Mitarbeitende einstellen und wieder entlassen und so flexibel auf die Konjunktur reagieren.

Sozialversicherung

Das schweizerische Vorsorge- und Sozialsystem kombiniert die staatliche, die betriebliche und die individuelle Vorsorge und stimmt sie aufeinander ab. Es misst der Eigenverantwortung einen hohen Stellenwert bei. Dadurch bleibt die Gesamtbelastung durch Steuern und Sozialabgaben im internationalen Vergleich sehr moderat.

Das schweizerische Vorsorgesystem baut auf drei Säulen auf:

  1. Säule: Die Sicherung des Existenzbedarfs der Versicherten erfolgt durch die staatliche Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) sowie die Invalidenversicherung (IV). Beide sind obligatorisch und werden durch Beiträge (Lohnprozente) von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie durch Steuern finanziert.
  1. Säule: Die berufliche Vorsorge (BVG) richtet ergänzend zur AHV und zur IV Leistungen bei Alter und im Invaliditäts- oder Todesfall aus, sie dient sie der Fortführung des gewohnten Lebensstandards nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. Die berufliche Vorsorge umfasst somit alle Massnahmen auf kollektiver Basis, die den älteren Menschen, den Hinterbliebenen und Invaliden bei Eintritt eines Versicherungsfalles (Alter, Tod oder Invalidität) zusammen mit den Leistungen der AHV/IV die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise erlauben. Zu versichern sind alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer. Die berufliche Vorsorge finanzieren die Arbeitnehmenden und Arbeitgebern paritätisch.

In der beruflichen Vorsorge obligatorisch versichert sind nur Erwerbstätige, die beim gleichen Arbeitgeber einen Jahreslohn von mindestens 21 150 Franken beziehen. Für Selbstständigerwerbende ist die berufliche Vorsorge freiwillig.

Das BVG legt eine obligatorische Mindestvorsorge fest. Im Rahmen der erweiterten Vorsorge können Pensionskassen über das vom Gesetz geforderte Minimum hinauszugehen.

  1. Säule: Die individuelle, freiwillige Selbstvorsorge der Erwerbstätigen soll den weiteren persönlichen Bedarf decken, vor allem durch Bank- und Versicherungssparen. Vorsorgemassnahmen der 3. Säule werden teilweise steuerbegünstigt.

Die drei Säulen der sozialen Sicherung werden ergänzt durch die Arbeitslosenversicherung (ALV), die Erwerbsersatzordnung für Einkommensausfälle wegen Militär- oder Zivilschutzdienst (EO), die Lohnfortzahlung bei Mutterschaft sowie Familienzulagen, die sich nach kantonalem Recht richten.

Übersicht obligatorische Beiträge Sozialversicherungen

Versicherung Arbeitnehmer Arbeitgeber Selbständigerwerbende Nichterwerbstätige
Alters- und Hinterlassenenversicherung

(AHV)

4.2 % des

Erwerbseinkommens

4.2 % des

Erwerbseinkommens

max 7.8 % Min. 392 CHF

Max. 19’600 CHF

Invalidenversicherung (IV) 0.7 % des

Erwerbseinkommens

0.7 % des

Erwerbseinkommens

max 1.4 % Min. 65 CHF

Max. 3’250 CHF

Erwerbsersatz und Mutterschaftsentschädigung 0.225 % des

Erwerbseinkommens

0.225 % des

Erwerbseinkommens

max. 0.45 % Min. 21 CHF

Max. 1’050 CHF

Berufsunfälle keine 0.74 % (Prämiensätze in

Abhängigkeit vom Risiko)

versichert über die

obligatorische Krankenversicherung

Nichtberufsunfälle 1.35 % (ab 8 h/Woche) keine versichert über die

obligatorische Krankenversicherung

Krankenversicherung pro Kopf keine pro Kopf pro Kopf
Arbeitslosenversicherung 1.1 % für Einkommensteile bis

CHF 148’200;

0.5 % für

Lohnanteile über CHF 148’200

1.1 % für Einkommensteile bis

CHF 148’200;

0.5 % für

Lohnanteile über CHF 148’200

nicht versicherbar
Berufliche Vorsorge 7.73 % (geschätzt in % des

versicherten Lohnes (max. CHF

842’400))

Höhe je nach Versicherungsreglement

10.43 % (geschätzt in % des

versicherten Lohnes (max. CHF

842’400))

Höhe je nach Versicherungsreglement

freiwillig
Familienzulagen 0,3 %–3,63 % der Lohnsumme

(je nach Familienausgleichskasse)

0,3 %–3,4 %

(Quelle: Bundesamt für Sozialversicherungen, Januar 2016)

Freihandel

Die Schweiz und die Europäische Union (EU) bilden auf der Grundlage eines Freihandelsabkommens (FHA) eine Freihandelszone für Industrieprodukte, legen aber – anders als eine Zollunion – gegenüber Drittstaaten ihre jeweiligen Aussenzölle eigenständig fest. Auch Zollkontrollen beidseits der Grenzen finden weiterhin statt, dies unter anderem um sicherzustellen, dass nur Waren, die ihren Ursprung in der EU resp. in der Schweiz haben, von den Vorzugsbedingungen des Freihandelsabkommens profitieren können.

Das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) von 1972 schafft eine Freihandelszone für industrielle Erzeugnisse und regelt den Handel mit verarbeiteten Landwirtschaftsprodukten. Industrieprodukte mit Ursprung im Gebiet der beiden Vertragsparteien können aufgrund des Freihandelsabkommens zollfrei gehandelt werden. Das Abkommen verbietet zudem mengenmässige Handelsbeschränkungen (Kontingente) und Massnahmen mit gleicher Wirkung (z. B. diskriminierende Verkaufsmodalitäten). Das Freihandelsabkommen stellt einen tragenden Pfeiler der Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und der EU dar. 2015 flossen rund 54% der Schweizer Exporte in den EU-Raum. Umgekehrt stammten 72% aller Schweizer Importe aus der EU.

Das Freihandelsabkommen verbietet für die vom Abkommen abgedeckten Produkte Zölle und mengenmässige Beschränkungen sowie Massnahmen mit gleicher Wirkung (z. B. diskriminierende Verkaufsmodalitäten). Das Freihandelsabkommen deckt nur Industrieprodukte ab, der Handel mit Landwirtschaftsprodukten ist davon ausgenommen und wird in einem separaten Abkommen geregelt. Die landwirtschaftlichen Verarbeitungsprodukte nehmen eine Sonderstellung zwischen Industrie und Landwirtschaft ein. Ihre zolltarifäre Behandlung wird durch das Protokoll Nr. 2 zum FHA geregelt. Das Protokoll Nr. 2 wurde im Rahmen der Bilateralen II revidiert und der Marktzugang für die Produkte der Nahrungsmittelindustrie dadurch stark verbessert.

Die Zollfreiheit für den Güterhandel gilt nur innerhalb der Freihandelszone. Im Unterschied zu einer Zollunion definieren die Freihandelspartner ihre Aussenzölle und Kontingente gegenüber Drittstaaten eigenständig. Aus diesem Grund findet an den Grenzen der Freihandelspartner weiterhin eine Zollabfertigung statt. Es soll u. a. sichergestellt werden, dass die importierten Waren nur dann von den Vorzugsbestimmungen des Freihandelsabkommens profitieren, wenn diese ihren Ursprung im Gebiet der Vertragsparteien haben.

Das Protokoll Nr. 3 (Ursprungsprotokoll) zum Freihandelsabkommen setzt mit den Ursprungsregeln die Bedingungen fest, nach welchen Erzeugnisse ihren Ursprung in der Schweiz oder der EU haben und somit gemäss Freihandelsabkommen zollfrei gehandelt werden können (Ursprungswaren). Am 03.12.2015 wurden die Regeln des Regionalen Übereinkommens über die Pan-Europa-Mittelmeer-Präferenzursprungsregeln („PEM-Konvention“) in das Protokoll Nr. 3 des Freihandelsabkommen übernommen. Somit können zur Herstellung von Ursprungswaren im Rahmen des FHA nicht nur Vormaterialien aus den südlichen Mittelmeerländern (Ägypten, Israel, das besetzte palästinensische Gebiet, Jordanien, Libanon, Marokko, Tunesien), den EFTA-Mitgliedstaaten und der Türkei, sondern neu auch aus den Freihandelspartnern im Westbalkanraum (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien) verwendet werden, ohne dass auf die Zollbefreiung verzichtet werden muss. Für die Schweizer Exportwirtschaft, insbesondere die Textilindustrie, ist dies von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung.

Die Partnerschaft im Rahmen des FHA bildet die Grundlage der intensiven Handelsbeziehungen der traditionell stark exportorientierten Schweiz mit ihren wichtigsten Wirtschaftspartnern, der EU und ihren 28 Mitgliedstaaten. 2015 exportierte die Schweiz Waren im Wert von CHF 109 Mrd. in die EU-Staaten. Umgekehrt importierte sie Waren aus der EU im Wert von CHF 121 Mrd. 2015 stellte die Schweiz nach den USA und China den drittgrössten Absatzmarkt für EU-Waren und war im selben Jahr hinter den USA und China der drittwichtigste Handelspartner der EU. Das Handelsvolumen ist in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um rund 3% pro Jahr gewachsen. Ein Grossteil dieser Warenflüsse fällt unter den Anwendungsbereich des FHA. (Quelle: Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA).

Steuerliche Rahmenbedingungen

Die Schweiz ist bekannt für eine allgemein niedrige Besteuerung. Dies liegt zum Teil an Steuersätzen, die im internationalen Vergleich sehr wettbewerbsfähig sind. Die effektiven Steuersätze variieren nicht nur von Kanton zu Kanton, sondern gar von Gemeinde zu Gemeinde. Im Zuge der Unternehmenssteuerreform III werden 2019 die Steuersätze insgesamt nochmals sinken.

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hat die Angaben zur Unternehmenssteuerreform III in der Fragestunde des Nationalrats am 05.12.2016 aktualisiert. Die Zusammenstellung der Steuerverwaltung ergibt, dass 16 Kantone die Gewinnsteuern für Unternehmen senken wollen. Die tiefsten Gewinnsteuersätze von unter 13 % sehen die Kantone Zug, Schaffhausen und Solothurn vor. Bereits heute Sätze unter 13 % haben die Kantone Luzern, Nid- und Obwalden. Zürich plant eine Senkung des effektiven Gewinnsteuersatzes von 21.1% auf 18.2% (Basis: Stadt Zürich).

Neben tieferen Gewinnsteuern können die Kantone den Unternehmen weitere Vergünstigungen gewähren. Dabei stehen drei Instrumente im Vordergrund. Mit der Patentbox (auch: IP-Box) werden Erträge aus Patenten und anderen Immaterialgüterrechten zu einem tieferen Satz besteuert. Davon wollen mindestens neun Kantone Gebrauch machen, namentlich Zürich, Thurgau, Zug, Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Land, Fribourg, Wallis und Genf, wie die Auswertung der ESTV zeigt.

Mit einer Inputförderung können zudem Forschungsaufwendungen subventioniert werden. Acht Kantone planen entsprechende Massnahmen. Schliesslich erlaubt die zinsbereinigte Gewinnsteuer den Abzug eines fiktiven Zinssatzes auf überdurchschnittlich hohem Eigenkapital. Fünf Kantone wollen dies gewähren, namentlich Zürich und Zug, Basel-Stadt, Wallis und Genf.

Die niedrige Steuerbelastung rührt aber auch daher, dass nach dem Schweizer Steuerrecht Aufwendungen weitgehend abziehbar sind. Vor allem Zinsaufwand ist grundsätzlich voll abziehbar. Die Tendenz im deutschen Steuerrecht, Aufwendungen, vor allem den Aufwand für Fremdfinanzierungen und Nutzungsüberlassungen (Miete, Leasing, Lizenzgebühren), zunehmend vom Abzug auszuschliessen, ist dem Schweizer Steuerrecht fremd. Schweizer Steuerrecht erkennt das unternehmerische Risiko dadurch an, dass Verluste mit Gewinnen weitgehend verrechenbar sind.

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) ist unternehmerfreundlich und bürgerorientiert. Die Finanzverwaltung ist effektiv. Bei geringen Unzulänglichkeiten drohen nicht sogleich strenge Sanktionen.

Selten bedacht, aber für ein unternehmerisches Engagement sehr wichtig, ist der Exit. Das Schweizer Steuerrecht stellt sich einem Weggang vom Schweizer Markt nicht entgegen. Es gibt keine Wegzugsbesteuerung. Insbesondere Unternehmen und Unternehmensteile, die Interlectual Property (IP) verwalten, können die Schweiz verlassen, ohne dass die IP steuerverstrickt bleibt.